Erklärung zu den Gebetszeiten

Es ist für jeden verstandes- und geschlechtsreifen, also vernünftigen und heiratsfähigen Muslim, sowohl Mann als auch Frau, fard, täglich fünfmal rechtzeitig das Gebet zu verrichten. Die Zeit, zu der das Gebet beginnt, nennt man die Zeit jenes Gebets. Ein Gebet, das vor seiner Zeit verrichtet wird, ist nicht gültig. Es ist zugleich eine große Sünde. So, wie es zwingend erforderlich ist, dass man das Gebet innerhalb seiner vorgesehenen Zeit verrichtet, damit es gültig ist, so ist es auch fard, zu wissen, also nicht daran zu zweifeln, dass man es innerhalb seiner Zeit verrichtet.

In einem ehrwürdigen Hadith heißt es: „Die Gebetszeit hat einen Anfang und ein Ende.“ Der Anfang einer Gebetszeit an einem Ort ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne eine bestimmte Höhe über der Linie des scheinbaren Horizonts des Ortes erreicht hat. Die Erdkugel, auf der wir leben, dreht sich um ihre eigene Achse im Raum. Diese Achse ist eine Gerade, die durch den Mittelpunkt der Erdkugel verläuft und die Erdoberfläche an zwei Punkten schneidet. Diese zwei Punkte werden „Pole der Erde“ genannt. Den Raum, in welchem sich die Sonne und die Sterne scheinbar bewegen, nennt man „Himmelskugel“. Bezüglich der Erde bewegt sich die Sonne nicht. Aber da die Erdkugel die Sonne umkreist, nehmen wir es so wahr, als bewege sich die Sonne. Wenn wir uns umsehen, sieht es so aus, als ob die Erdkugel die Himmelskugel schneiden würde. Diesen Kreis nennt man „Linie des scheinbaren Horizonts“. Morgens geht die Sonne hinter dieser Linie im Osten auf, steigt danach in Richtung Westen auf, erreicht mittags die Mittagshöhe und fängt dann an, sich wieder zu senken. Dann geht sie hinter der Linie des scheinbaren Horizonts im Westen unter. Die maximale Höhe der Sonne über der Linie des scheinbaren Horizonts ist die Mittagshöhe. Die Höhe, die die Sonne zu dieser Zeit über der Linie des scheinbaren Horizonts hat, wird „Zielhöhe“ genannt. Die Person, die die Himmelskugel betrachtet, wird als „Beobachter“ bezeichnet. Die Gerade, die von den Füßen des Beobachters zum Mittelpunkt der Erde verläuft, nennt man „Lot des Beobachters“. Der Beobachter befindet sich auf einer bestimmten Anhöhe M, welche außerhalb der Erdoberfläche liegt. Die Gerade ME ist das Lot des Beobachters. Die auf das Lot des Beobachters senkrecht stehenden Ebenen heißen „Horizontebenen“. Es gibt sechs Horizontebenen: 1. Mathematischer Horizont MF, der durch die Füße des Beobachters verläuft (siehe nachfolgende Abbildung Nr. 3). 2. Gefühlsmäßiger Horizont BN, der den niedrigsten Punkt des Beobachtungsortes, also die Erdoberfläche berührt (Nr. 2). 3. Der Horizont, der eine Kreisfläche um den Beobachter aufspannt, auf dessen Kreislinie die Punkte L und K liegen, heißt „Linie des scheinbaren Horizonts“. Die dazugehörige Ebene, in der sich die Kreisfläche durch die Punkte L und K befindet, ist die Ebene LK, also der „gültige Horizont“ (Nr. 5). 4. Die Ebene, die durch den Mittelpunkt der Erdkugel verläuft, heißt „wahrer Horizont“ (Nr. 1). 5. Die Ebene PQ, die vom höchsten Punkt des Beobachtungsortes aus betrachtet durch den scheinbaren Horizont verläuft, ist der Scharʿī-Horizont, also die gemäß der Scharia definierte Ebene (Nr. 6). Der Kreis, an dem diese Ebene die Erdkugel schneidet, heißt „Linie des Scharʿī-Horizonts“ des Beobachters. Diese fünf Ebenen verlaufen parallel zueinander. 6. Der Oberflächenhorizont verläuft nicht parallel zu diesen Ebenen (Nr. 4). Je höher der Beobachtungsort ist, desto mehr nähert sich die Linie des scheinbaren Horizonts der Linie des wahren Horizonts. Deswegen gibt es in jeder unterschiedlichen Anhöhe einer Stadt für eine Gebetszeit unterschiedliche Zeiten. In einer Stadt gibt es jedoch nur eine einzige Zeit für ein Gebet. Daher verwendet man nicht die Linie des scheinbaren Horizonts für die Berechnung der Gebetszeiten. Man verwendet die Scharʿī-Höhe, gemäß der Linie des Scharʿī-Horizonts PQ, die sich nicht nach Anhöhen verändert. Alle Schnittkreise, die dadurch entstehen, dass jede Horizontebene die Himmelskugel schneidet, werden „Linie“ der jeweiligen Horizontebene genannt. Je höher der Beobachtungsort ist, desto größer wird der Kreis der Linie des scheinbaren Horizonts. Für drei von sechs Horizonten eines jeden Standortes gibt es für jedes Gebet genau eine Gebetszeit. Das sind: wahre, scheinbare und Scharʿī-Zeiten. Und jede davon besitzt eine mathematische und eine gültige Zeit. Man berechnet mathematische Zeiten gemäß der Sonnenhöhe. Die gültigen Zeiten werden berechnet, indem man zu den mathematischen Zeiten 8 Minuten und 20 Sekunden addiert. Denn das Sonnenlicht kommt in 8 Minuten und 20 Sekunden auf der Erde an. Alternativ bestimmt man sie, indem man die Sonne beobachtet. Für das Verrichten des Gebets richtet man sich nach der gültigen Zeit, nicht nach der mathematischen und der wahren Zeit. Die mathematischen Zeiten dienen dazu, die gültigen Zeiten zu bestimmen. Wenn man die Sonne beobachten kann, verwendet man die gültigen scheinbaren Zeiten und wenn man die Sonne nicht beobachten kann, benutzt man die berechneten gültigen Scharʿī-Zeiten, um das Gebet zu verrichten. Wenn der Sonnenrand bezüglich der Linie des scheinbaren Horizonts die Höhe der betreffenden Gebetszeit erreicht, beginnt die gültige scheinbare Zeit. Diese Höhe nennt man „scheinbare Höhe“ und diese Zeit „scheinbare Zeit“. Die Scharʿī-Zeit wird ermittelt, indem man berechnet, dass der Sonnenrand in Bezug auf die Linie des Scharʿī-Horizonts die Höhe dieser Gebetszeit erreicht. Die Höhengrade bezüglich der scheinbaren Horizonte beginnen tagsüber beim Sonnenaufgang und nachts am scheinbarem Horizont beim Sonnenuntergang. Der Scharʿī-Horizont erscheint vormittags vor dem wahren Horizont. Beim Sonnenauf- und Sonnenuntergang beträgt die Sonnenhöhe 0°. Die Höhe, bei der die Zeit der Morgendämmerung beginnt, beträgt in allen vier Rechtsschulen, östlich der Linie des scheinbaren Horizonts betrachtet, –19°. Die Höhe, bei der die Zeit des ʿIschā-Gebets beginnt, beträgt, westlich der Linie des scheinbaren Horizonts betrachtet, gemäß Imām al-Aʿzam –19°, gemäß den beiden Imamen (Imām Abū Yūsuf und Imām Muhammad Schaybānī) und den drei anderen Rechtsschulen hingegen –17°. Der Zeitpunkt, an dem der Sonnenmittelpunkt von dem wahren Horizont die Zielhöhe erreicht, ist die gültige und wahre Mittagshöhe. Wenn der vordere und hintere Sonnenrand die Zielhöhe erreichen, sind ihre Schattenlängen zwar gleich, aber ihre Zeiten unterschiedlich. Wenn die Uhrzeit die Hälfte dieser beiden Zeiten beträgt, stellt man die Uhren, die sich nach der Mittagshöhe richten, auf 12 ein. Diese Zeit ist 8 Minuten und 20 Sekunden nach der durch Berechnung ermittelten mathematischen Mittagshöhe und genau jene Zeit, zu der der Schatten eines Stockes, der senkrecht in die Erde gesteckt wird, am kürzesten ist. Die Höhen der Zuhr- und ʿAsr-Gebetszeiten ändern sich täglich. Diese zwei Höhen werden jeden Tag neu ermittelt. Aus algebraischer Addition der Integrale des Breitengrades und der Sonnenhöhe eines Ortes ergibt sich die wahre Zielhöhe der Sonne des Ortes. Da man nicht sehen kann, dass der Sonnenrand von der Linie des scheinbaren Horizonts die Höhe der Gebetszeit erreicht, berichten die Fiqh-Bücher von den Merkmalen der gültigen Zeit. Wer diese Merkmale am Himmel beobachten kann, verrichtet seine Gebete gemäß diesen gültigen scheinbaren Zeiten. Wer die Sonne oder die Merkmale der scheinbaren Zeiten nicht beobachten kann, berechnet die mathematischen  Scharʿī-Höhen des Sonnenrandes, auf die Scharʿī-Horizonte bezogen, und verrichtet seine Gebete gemäß diesen mathematischen Scharʿī-Zeiten, die er mithilfe einer Uhr ermittelt hat. Alle, die Kalender vorbereiten, tun dasselbe. Wenn Uhren diese mathematischen Scharʿī-Zeiten anzeigen, gilt es als die gültige Scharʿī-Zeit. Somit werden Gebete in diesen gültigen Zeiten verrichtet.

Abbildung zu den Begriffen Horizont und Höhe:

K         : Schnittpunkt der Linie LK des scheinbaren Horizonts mit der Azimut-Ebene, die durch das Zentrum der Sonne geht.

MS      : Der gefühlsmäßige Horizont, der in Punkt K die Erdoberfläche berührt, ist der „Oberflächenhorizont“ des Beobachters.       

HK       : Die Höhe zwischen dem Sonnenrand (H) und dem Punkt K, der an der Linie des scheinbaren Horizonts liegt,    ist gleich der Höhe ZS zwischen dem Oberflächenhorizont und der Sonne.

D=C=Ç : Senkungswinkel des Horizonts.

M        : Eine beliebige Anhöhe eines Standortes.

ZS        : Der Kreisbogen des Azimuts gibt die Höhe der Sonne in Bezug auf den Oberflächenhorizont an. Dieser Winkel ist gleich dem Winkel, der dem Bogen HK gegenüberliegt.

O         : Einer der richtigen Schnittpunkte des wahren Horizonts mit dem Oberflächenhorizont.

 

1          : Der wahre Horizont.

2          : Der gefühlsmäßige Horizont.

3          : Der mathematische Horizont.

4          : Der Oberflächenhorizont.

5          : Die Linie des scheinbaren Horizonts.

6          : Die Linie des Scharʿī-Horizonts.

 

G         : Die Erscheinung des Sonnenmittelpunktes.

GA       : Der Kreisbogen der wahren Höhe der Sonne.

B          : Der niedrigste Punkt des Beobachtungsortes.

ZMF     : Der mathematische Höhenwinkel der Sonne.

Hinweis: Durch Berechnung ermittelt man die mathematischen Zeiten, zu denen die Sonne, auf den Scharʿī-Horizont bezogen, die Höhe der betreffenden Gebetszeit erreicht. Dass die Sonne die Höhe dieser mathematischen Zeit erreicht, wird 8 Minuten und 20 Sekunden nach dieser mathematischen Zeit wahrgenommen; diese Zeit ist die gültige Zeit. D.h. also, dass die gültige Zeit 8 Minuten und 20 Sekunden nach der mathematischen Zeit erfolgt. Weil die Anfangszeiten der Uhren, nämlich wenn die Zeiten der wahren Mittagshöhe und des Scharʿī-Sonnenuntergangs auf Null zeigen, gültige Zeiten sind und weil Uhren, wenn die mathematische Zeit null ist, 8 Minuten und 20 Sekunden danach auf Null eingestellt werden, sind die mathematischen Zeiten der Uhren gültige Zeiten. Obwohl die Scharʿī-Zeiten berechnet und in Kalendern mathematische Zeiten gezeigt werden, zeigen Uhren die Zeiten als gültige Zeiten. Durch Berechnung ermittelt man zuerst mathematische wahre Zeiten, an denen der Sonnenmittelpunkt, auf die Linie des wahren Horizonts bezogen, die Höhe der betreffenden Gebetszeit erreicht. Diese werden dann in mathematische Scharʿī-Zeiten umgerechnet, indem man die Zeit der Vorsicht berücksichtigt. Es ist nicht nötig, bei Uhren 8 Minuten und 20 Sekunden zu den mathematischen Zeiten zu addieren.

Den Kreis, den ein Beobachter, der sich auf einer beliebigen Anhöhe befindet, derart sieht, als ob an diesem Standort deren niedrigste Punkte, z.B. das Flachland oder das Meer, mit dem Himmel verbunden sind, wird „Linie des scheinbaren Horizonts“ des Beobachters genannt. Die Horizontebene, die an diesem Kreis verläuft, wird „gültiger Horizont“ dieser Anhöhe genannt. Die niedrigste Stelle am Standort, an welchem sich der Beobachter befindet, also diejenige Horizontebene BN, die die Erdoberfläche berührt, wird „gefühlsmäßiger Horizont“ des Beobachters genannt. Die Ebene MS, die durch den Punkt M, an welchem sich der Beobachter befindet, verläuft und die Erde am Punkt K berührt, wird „Oberflächenhorizont“ des Beobachters genannt, welcher in die Richtung der Strahlen, die aus dem Auge des Beobachters treten, zeigt. Für verschiedene Anhöhen eines Ortes gibt es verschiedene Oberflächenhorizonte. Für jeden hat die Sonne bestimmte Höhen. Wenn sich ein Oberflächenhorizont, der zu einer bestimmten Anhöhe gehört, um das Lot des Beobachters dreht, dann bilden die K-Punkte, die die Erdkugel berühren, die Linie des scheinbaren Horizonts. Die Linie des scheinbaren Horizonts wird als „Scharʿī-Horizont“ bezeichnet, wenn sich der Beobachter an der höchsten Anhöhe des Standortes befindet. Die Horizontebene AE, die durch den Erdmittelpunkt verläuft, bezeichnet man als „wahren Horizont“ des Beobachters. Eine gedachte große Kugel, in deren Zentrum sich die Erde befindet, und auf der sich auch die Sonne und die Sterne befinden, heißt „Himmelskugel“, und der Punkt, an dem das Lot auf die Himmelskugel trifft, also der Scheitelpunkt, wird „Zenit“ genannt. Die durch das Lot verlaufenden unendlichen Ebenen bezeichnet man als „Azimutebenen“. Die durch die Sonne verlaufende Azimutebene ZMS schneidet einen der Oberflächenhorizonte. Da die Azimutebenen und die Ebenen der Oberflächenhorizonte durch M verlaufen, schneiden sie sich gegenseitig an einer Geraden. Diese Gerade MS wird als „Linie des Oberflächenhorizonts“ bezeichnet. Diese Linie ist am Punkt K senkrecht zum Radius EK und verläuft mitten durch die Augen des Beobachters. Wenn wir davon ausgehen, dass die Azimutebenen die Himmelskugel schneiden, dann werden die Kreise, die an der Erdoberfläche entstehen, „Azimutkreise“ bzw. „Höhenkreise“ dieses Ortes genannt. Diese Kreise schneiden fünf der Horizontebenen des betreffenden Ortes senkrecht. Die Gradanzahl des Bogens AG, der zwischen dem Punkt A, welcher dadurch entsteht, dass der durch den Sonnenmittelpunkt verlaufende Azimutkreis die Ebene des wahren Horizonts schneidet, und dem Sonnenmittelpunkt liegt, heißt „wahre Höhe“ der Sonne an diesem Ort zu dieser Zeit. Die Sonne verläuft jeden Moment durch einen anderen Azimutkreis. Der Punkt Z, der dadurch entsteht, dass der Azimutkreis, der an einem Rand Z der Sonne verläuft, diesen Rand schneidet, und die zwei Punkte, die dadurch entstehen, dass dieser Azimutkreis die Ebenen des gefühlsmäßigen, gültigen, mathematischen, wahren und Oberflächenhorizonts schneidet, bilden einen Azimutbogen. Die Gradanzahl dieses Azimutbogens sind die Höhen der Sonne in Bezug auf diese Horizonte. Die Zeiten, in denen die Sonne zu diesen Horizonten den gleichen Höhenabstand aufweist, sind unterschiedlich. Wenn die Sonne unterhalb des Oberflächenhorizonts eines Standortes steht, d.h. in Bezug auf diesen Horizont die Höhe null beträgt, sehen alle Beobachter, die sich an jedem Ort auf diesem Horizont befinden, dass die Sonne an diesem Horizont untergeht. Ein Beobachter, der sich an einer höheren Stelle befindet, sieht den Sonnenuntergang jedoch an dem Oberflächenhorizont, der durch einen Punkt K der Linie LK seines eigenen scheinbaren Horizonts verläuft. Durch jeden Punkt des Kreises LK des scheinbaren Horizonts verläuft genau eine Ebene des Oberflächenhorizonts. Der Azimutkreis ZS, der durch die Sonne verläuft, schneidet einen dieser Horizonte im Punkt S senkrecht. Der Oberflächenhorizont MKO am Punkt K ist der „Oberflächenhorizont“ des Beobachters. Der Oberflächenhorizont und der mathematische Horizont MF verlaufen durch die gleiche Anhöhe innerhalb derselben Ebene, auf der sich der Beobachter befindet. Doch diese beiden Horizonte bilden zusammen einen Winkel C. Diesen Winkel bezeichnet man als „Senkungswinkel des Horizonts“. Ahmed Ziya Beğ sagt: „Wenn man die Quadratwurzel der Höhe des Standortes des Beobachters in Metern, auf den gefühlsmäßigen Horizont bezogen, mit 106,92 multipliziert, ermittelt man den Senkungswinkel dieses Standortes in Bogensekunden.“ Der Sonnenuntergang ereignet sich für einen höher stehenden Beobachter dann, wenn in Bezug auf den Oberflächenhorizont die Höhe null beträgt. Weil die anderen Gebetszeiten nach der Mittagshöhe eintreten, sind ihre Scharʿī-Zeiten genauso. D.h. sie werden mit den Höhen, die die Sonne in Bezug auf den Oberflächenhorizont hat, berechnet. Die Höhe ZS der Sonne in Bezug auf den Oberflächenhorizont ist der Bogen des Kreises, der durch den Sonnenrand verläuft. Dieser Kreis wiederum verläuft durch die Azimutkreise, die selbst durch das Lot des Standortes, an welchem sich der Beobachter befindet, verlaufen. Dieser Kreisbogen zeigt die Gradanzahl des Winkels, den die beiden Geraden bilden, die sich vom Auge des Beobachters bis zu den beiden Eckpunkten des Bogens erstrecken. Auch die unzähligen Bögen, die man zwischen den beiden Schenkeln des Winkels parallel zu diesem Kreisbogen zeichnen kann, zeigen diesen Höhengrad. Unter diesen Kreisbögen sieht der Beobachter den Kreisbogen HK, der durch den Schnittpunkt K zwischen dem Oberflächenhorizont und der Linie des scheinbaren Horizonts verläuft, als Höhe der Sonne in Bezug auf die Linie des Oberflächenhorizonts. Daher verwendet man statt des Kreisbogens ZS, der eine Höhe bezüglich des Oberflächenhorizonts ist, den Kreisbogen HK, der die „scheinbare Höhe“ in Bezug auf die Linie des scheinbaren Horizonts darstellt. Diese Höhe entspricht der Summe der Höhe ZA, bezogen auf den wahren Horizont, und des Senkungswinkels C des Horizonts. Die gültigen Scharʿī-Zeiten werden mit dieser Höhe berechnet. Man ermittelt die scheinbare Höhe der Sonne mit den Messgeräten „Sextant“ und „Rubʿ ad-dāira“ (wird für die Ermittlung von Höhen und für einige trigonometrische Berechnungen bei Gebetszeiten benutzt).

Die beiden Schnittpunkte der Erdachse mit der Himmelskugel werden „Himmelspole“ genannt. Die Kreise, die von den Ebenen, die durch die Erdachse verlaufen, an der Himmelskugel gebildet werden, heißen „Neigungskreise“. Die Ebene, die durch den Erdmittelpunkt verläuft und senkrecht zur Erdachse steht, heißt „Äquator“. Den Kreisbogen eines Meridians, der sich zwischen dem Sonnenmittelpunkt und dem Himmelsäquator befindet, bezeichnet man als „Neigung der Sonne“ (Deklination).

Ein Standort hat eine Neigungsebene und viele Azimutsebenen. Das Lot eines Standortes schneidet die Erdachse im Erdmittelpunkt. Die Winkelebene, die sie bilden, wird „Meridianebene“ genannt. Die Schnittlinie dieser Ebene mit der Himmelskugel ist der „Meridian“ oder genauer der „Himmelsmeridian“ und die Schnittlinie dieser Ebene mit dem wahren Horizont heißt „Meridianlinie“. Die täglichen Umlaufbahnen der Sonne sind Kreise, die zueinander und zur Äquatorebene parallel verlaufen. Die Ebenen, in denen sich diese Kreise befinden, stehen senkrecht zur Erdachse und zur Meridianebene, die Horizontebenen dagegen schneiden sie schräg. Wenn sich die Sonne an einem Standort auf der Linie des scheinbaren Horizonts befindet, ist es Tag an dem betreffenden Standort. Der durch die Sonne verlaufende Azimutkreis schneidet die Linie des scheinbaren Horizonts senkrecht. Wenn die Sonne an den Meridian eines Standortes gelangt, d.h. sein Mittelpunkt vom wahren Horizont einen solchen Abstand hat, der der Zielhöhe entspricht, dann sind der Neigungskreis, der durch den Sonnenmittelpunkt verläuft, und der Azimutkreis dieses Standortes identisch. Jener Bogen dieses Kreises, der zwischen dem Sonnenmittelpunkt und dem Äquator verläuft, ist die „Neigung“ (Deklination), und der Bogen, der zwischen dem Sonnenmittelpunkt und dem wahren Horizont verläuft, ist der Winkel der „wahren Zielhöhe“. Wenn sich der Beobachter am Äquator befindet, verläuft sein wahrer Horizont durch die Erdachse. Tag und Nacht haben stets die gleiche Dauer von 12 Stunden. Wenn sich der Beobachter am Erdpol befindet, sind die wahre Horizontebene und die Äquatorebene identisch und während die Sonne in jener Halbkugel steht, in der sich der Beobachter aufhält, ist es 6 Monate Tag, wenn sie in der anderen Halbkugel steht, ist es 6 Monate Nacht. Die „Ekliptik“, auf der die Sonne ihre jährliche Umlaufbahn hat, schneidet die Äquatorebene in Richtung eines Erddurchmessers. [Die beiden Schnittpunkte der Ekliptik mit der Äquatorebene sind das Frühlings- und Herbstäquinoktium.] Der Winkel zwischen ihnen beträgt stets rund 23° 27′. Wenn sich die Sonne auf einer Seite des Äquators befindet, ist es in diesen Gegenden Sommer und in der anderen Halbkugel herrscht Winter.

Nach allen vier Rechtsschulen beginnt die Zeit des Fadschr-Gebets an einem Ort ab Ende der Scharʿī-Nacht, das heißt, wenn man die Morgendämmerung genannte Helle an einem Punkt an der Linie des scheinbaren Horizonts im Osten sieht. Die Zeit des Fadschr-Gebets hört zu Ende der Sonnennacht auf. Das heißt, sie dauert so lange, bis der obere Rand der Sonne an der Linie des scheinbaren Horizonts des Ortes erscheint. Man sieht diese Helle an einem Punkt, sobald sich ihr oberer Rand an einem Standort der Linie des scheinbaren Horizonts 19° nähert. Auch das Fasten beginnt zu dieser Zeit. Die islamischen Gelehrten haben festgestellt, dass die Fadschr-Zeit, die sie mit der Höhe von –19° berechnet haben, identisch ist mit der Zeit, zu der die Helle an einem Punkt der Linie des scheinbaren Horizonts beginnt, wobei sie für letzteres bei wolkenfreiem und klarem Himmel die Linie des scheinbaren Horizonts betrachtet und dabei auf die Uhr geschaut haben. Wir haben es auch so beobachtet. Das Fasten derer, die nach diesen Zeiten mit dem Fasten beginnen, ist nicht gültig. Wenn die Höhe –18° erreicht, breitet sich die Helle über der Linie des scheinbaren Horizonts aus. Es ist vorsichtshalber besser, das Fadschr-Gebet ab diesem Zeitpunkt zu verrichten. Die Europäer nennen diese letztgenannte Zeit „Fadschr“. Die Muslime müssen in religiösen Angelegenheiten aber dem folgen, was die islamischen Gelehrten vermittelt haben, nicht den Christen. Die Helle beginnt 2° früher als die Morgenröte, welche an der Linie des Horizonts beginnt. Obwohl manche –20° für den Beginn der Helle angaben, wie im Buch von Ibn ʿĀbidīn und im Kalender von M. Arif erwähnt wird, haben die Gelehrten des Islam übereinstimmend mitgeteilt, dass diese Höhe –19° beträgt. Die Morgenröte breitet sich aus, sobald sich der obere Rand der Sonne der Linie des scheinbaren Horizonts um 16° nähert. Für die Anfangszeit des Fadschr die Höhe von –16° anzunehmen, würde bedeuten, den islamischen Gelehrten nicht zu folgen.

Der scheinbare Mittag (Zuhr) des Ortes und der wahre Mittag des Ortes sind voneinander verschieden. Für diejenigen, die die Sonne sehen können, ist der Beginn der gültigen Zeit des Zuhr-Gebets der Zeitpunkt, zu der der hintere Sonnenrand den Punkt der scheinbaren Mittagshöhe verlässt. Dieser Zeitpunkt ist die Zeit, zu der der hintere Sonnenrand von der Linie des Scharʿī-Horizonts zur Zielhöhe aufsteigt, und sie kann festgestellt werden, indem man sieht, dass der Schatten eines senkrecht in die Erde gesteckten Stocks, nachdem er am kürzesten ist, beginnt länger zu werden. Diese Zeit beginnt, wenn man sieht, dass der hintere Sonnenrand, nachdem der Sonnenmittelpunkt von der Mitte der Tageszeit jenes Ortes an [vom Meridian im Himmel aus], also gemäß der Linie des wahren Horizonts zur wahren Zielhöhe aufsteigt, also nach der Zeit der wahren Mittagshöhe, westlich der Linie des Scharʿī-Horizonts an der Erdkugel zur scheinbaren Zielhöhe hinabsteigt. Die Gebetszeiten beginnen für diejenigen, die die Sonne sehen, nicht mit den wahren Höhen [des Sonnenmittelpunktes] bezogen auf den wahren Horizont, sondern damit, dass man sieht, dass der hintere Rand von der Linie des Scharʿī-Horizonts zur scheinbaren Höhe kommt, also nachdem die Gebetszeit um die Zeit der Vorsicht nach dem Erreichen der wahren Höhe vergangen ist, wie im „Hāschiyat al-Imdād“ von Tahtāwī steht. Dass die scheinbare Mittagszeit zu dem Zeitpunkt beginnt, an dem man sieht, dass die Sonne von der Scharʿī-Zielhöhe aus sinkt, steht im Buch „Madschmaʿ al-Anhur“. Die Stelle der „Linie des scheinbaren Horizonts“, die wir um uns herum in Form eines Kreises sehen, ist ein Punkt B auf dem gefühlsmäßigen Horizont, wenn der Beobachter auf der niedrigsten Stelle steht. Die Stelle der „scheinbaren Mittagshöhe“ an der scheinbaren Zielhöhe am Himmel wird sodann zum Punkt der scheinbaren Mittagshöhe am Himmel. Selbst, wenn der Beobachter so hoch steigt, wie die Größe eines Menschen beträgt, nimmt die Linie des scheinbaren Horizonts um den Punkt B am gefühlsmäßigen Horizont herum die Form eines Kreises an, dessen Radius ein Kreisbogen ist, der dem Senkungswinkel des Horizonts entspricht, und sinkt in Richtung des wahren Horizonts. Die Punkte der scheinbaren Mittagshöhe am Himmel bilden dann den Kreisbogen zwischen den zwei Punkten, die dadurch entstehen, dass die Sonnenbahn von einem Kreis, den die Punkte der Linie des scheinbaren Horizonts an der Zielhöhe um den Punkt der scheinbaren Mittagshöhe herum bilden, geschnitten wird. Diese Kreise stehen senkrecht zur Meridianebene und die Radien in Form von Kreisbögen sind so lang wie die Senkungshorizonte. Die Endpunkte des Kreisbogens der scheinbaren Mittagshöhe sind zwei Schnittpunkte der täglichen Sonnenbahn mit dem Kreis der scheinbaren Mittagshöhe. Wenn der vordere Sonnenrand den ersten Punkt erreicht, wird das Kürzerwerden des Schattens nicht wahrgenommen und es beginnt die Zeit der scheinbaren Mittagshöhe. Diese Zeit endet, wenn der hintere Sonnenrand den zweiten Punkt verlässt. Diese Zeit kann dadurch festgestellt werden, indem man sieht, dass der Schatten beginnt länger zu werden. Ein jeder von den Kreisen der Mittagshöhe eines Ortes wird durch die Punkte gebildet, die sich an derselben Zielhöhe wie die Punkte desjenigen Kreises der Linie des scheinbaren Horizonts befinden, der dem Standort, an dem sich der Beobachter befindet, eigen ist. Die „Zeit der Scharʿī-Mittagshöhe“ beginnt, wenn der vordere Sonnenrand von den zwei Punkten des größten dieser Kreise, der sich ganz außen befindet, den ersten erreicht. Wenn der hintere Sonnenrand diesen Kreis verlässt, endet die Zeit der Scharʿī-Mittagshöhe und die „Zeit des Scharʿī-Mittags“ beginnt. Die mathematischen Scharʿī-Zeiten werden durch Berechnung erhalten und in die Kalender eingetragen. Die Mittagszeit (Zuhr) dauert entweder bis zur „ersten Nachmittagszeit“ (ʿAsr awwal), also bis zu der Zeit, zu der der Schatten eines Gegenstandes so lang wie der Gegenstand selbst ist, oder bis zur „zweiten Nachmittagszeit“ (ʿAsr thānī), also bis zu der Zeit, zu der der Schatten eines Gegenstandes zweimal so lang ist wie der Gegenstand selbst. Die erste Zeit ist gemäß den zwei Imamen und nach den drei anderen Rechtsschulen und die zweite ist nach Imām al-Aʿzam Abū Hanīfa.

Die Zeit des ʿAsr-Gebets beginnt, wenn die Mittagszeit endet, und dauert so lange an, bis der hintere Sonnenrand an der Linie des scheinbaren Horizonts untergeht und man beobachtet, dass er verschwunden ist. Nachdem die Sonne gelblich geworden ist, also wenn sich der untere [vordere] Sonnenrand um eine Speerlänge dem scheinbaren Horizont nähert, ist es jedoch harām, jegliches Gebet zu verrichten und das ʿAsr-Gebet bis in diese Zeit hinauszuzögern. Dass die Sonne bzw. die Stellen, die die Sonnenstrahlen erreichen, gelblich werden, beginnt dann, wenn die Höhe des Sonnenmittelpunktes in Bezug auf den wahren Horizont 5° beträgt. Diese Zeit nennt man „Isfirār-Zeit“ bzw. „Karāha-Zeit“. [Diese Zeit beginnt, wenn sich der vordere Sonnenrand vom Scharʿī-Horizont trennt.] Diese Zeit ist die dritte der drei Karāha-Zeiten. Da man in der Türkei gemäß den zwei Imamen zum ʿAsr-Gebet ruft, sollte man im Winter 36 Minuten nach dem Gebetsruf bzw. im Sommer 72 Minuten nach dem Gebetsruf das ʿAsr-Gebet verrichten, um somit auch Imām al-Aʿzam zu folgen. Die Differenz zwischen diesen zwei Zeiten kann man ermitteln, indem man für Orte, die zwischen dem 40. und dem 42. Breitengrad liegen, ab Januar für jeden Monat 6 Minuten zu den 36 Minuten addiert und ab Juli für jeden Monat 6 Minuten von den 72 Minuten subtrahiert.

Das Maghrib-Gebet beginnt zusammen mit dem Beginn der Sonnen- und Scharʿī-Nacht. Es beginnt mit dem scheinbaren Sonnenuntergang, also dann, wenn man dort, wo sich der Beobachter befindet, sieht, dass der obere Sonnenrand von der Linie des scheinbaren Horizonts verschwindet. In einem ehrwürdigen Hadith heißt es: „Brecht das Fasten, wenn die Nacht beginnt! Die Anfangszeit der Nacht ist der Zeitpunkt, an dem der Sonnenschein von der höchsten Anhöhe im Osten verschwindet.“ Dieser ehrwürdige Hadith und die Erklärungen von den Gelehrten Ibn ʿĀbidīn und Tahtāwī, möge Allah mit ihnen barmherzig sein, zeigen, dass an Orten, an denen nicht gesehen werden kann, dass die Sonne an der Linie des scheinbaren Horizonts untergeht, und bei Berechnungen des Sonnenuntergangs diejenige Zeit genommen wird, zu der die Sonnenstrahlen an der höchsten Anhöhe verschwinden, also die gültige Scharʿī-Untergangszeit. Die Adhan-Uhren werden zu dieser Zeit auf 12 gestellt. Die Zeit des Maghrib-Gebets dauert so lange an, bis im Westen gemäß den zwei Imamen und in den drei anderen Rechtsschulen die Abendröte verschwindet oder nach Imām al-Aʿzam, bis 2° später das Abendgrauen verschwindet. Es ist sunna, das Maghrib-Gebet zu Beginn seiner Zeit zu verrichten. Es ist harām, das Maghrib-Gebet bis nach der „Ischtibāk an-Nudschūm“ genannten Zeit aufzuschieben; nämlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Sterne vermehrt haben, also der hintere Sonnenrand 10° unterhalb der Linie des scheinbaren Horizonts gesunken ist. Zwischen diesem Zeitpunkt und der Zeit des Sonnenuntergangs gibt es in Städten wie Istanbul, die auf dem 41. Breitengrad liegen, innerhalb eines Jahres eine Zeitspanne von 53 bis 67 Minuten. Aus Gründen wie Krankheit, Reise und bereits vorbereitetem Abendessen darf man das Maghrib-Gebet bis zu diesem Zeitpunkt aufschieben.

Die Zeit des ʿIschā-Gebets beginnt gemäß den zwei Imamen nach der „ersten Nacht“ (ʿIschā awwal), also nachdem im Westen die Abendröte über der Linie des scheinbaren Horizonts verschwindet. So ist es auch gemäß den drei anderen Rechtsschulen. Nach Imām al-Aʿzam beginnt die Zeit des ʿIschā-Gebets nach der „zweiten Nacht“ (ʿIschā thānī), also nach dem Verschwinden des Abendgrauens. Sie dauert bis zum Ende der Scharʿī-Nacht, also bis zur Morgendämmerung. [Wenn der obere Sonnenrand eine Höhe von 17° unterhalb des scheinbaren Horizonts erreicht, verschwindet die Abendröte und nach dem Erreichen einer Höhe von 19° das Abendgrauen]. Es gibt Gelehrte, die sagen, dass in der schafiitischen Rechtsschule das Ende der Zeit des ʿIschā-Gebets die Hälfte der Zeit zwischen dem Sonnenuntergang und der Morgendämmerung ist. Demnach ist es nicht dschāiz, das ʿIschā-Gebet nach der Hälfte der Scharʿī-Nacht zu verrichten. In der hanafitischen Rechtsschule hingegen ist dies makrūh. In der malikitischen Rechtsschule ist es zwar gültig, das ʿIschā-Gebet bis zur Morgendämmerung zu verrichten, doch es ist eine Sünde, das ʿIschā-Gebet nach Ablauf des ersten Drittels der Scharʿī-Nacht zu verrichten.  Diejenigen, die das Zuhr- und das Maghrib-Gebet nicht in den Zeiten gemäß den zwei Imamen verrichten können, sollten sie auf keinen Fall unterlassen, sondern in dem Zeitraum gemäß dem Standpunkt von Imām al-Aʿzam verrichten und das ʿAsr- und ʿIschā-Gebet des Tages auch nach Imām al-Aʿzam verrichten.

Die Anfangszeiten der täglichen fünf Gebete, besonders des Fadschr- und ʿIschā-Gebets, ändern sich nach den Breitengraden der Länder, also gemäß ihrer Entfernung vom Äquator, und der Neigung der Sonne (Deklination), d.h. gemäß Monaten und Tagen. Je mehr man sich dem Pol nähert, desto mehr entfernen sich die Anfangszeiten der Morgen- und Abenddämmerung von den Zeitpunkten des Sonnenauf- und -untergangs. Die Anfangszeiten des Fadschr- und ʿIschā-Gebets nähern sich nämlich einander an. Da der Beleuchtungswinkel zwischen der Erdachse und der Beleuchtungserdoberfläche identisch ist mit der Deklination, beginnt gemäß der Formel: 90° – Breitengrad ≤ Deklination + 19° an Orten und Zeiten, deren Breitengrad und Deklination zusammen [90° – 19° = 71°] oder mehr ergeben,  die Morgendämmerung, noch bevor die Abenddämmerung verschwindet; so beginnt z.B. in Paris, wo in dem Zeitabschnitt zwischen dem 12. und 30. Juni die Neigung der Sonne hoch ist, die Morgendämmerung, bevor die Abenddämmerung verschwindet. Daher beginnen die Anfangszeiten des ʿIschā- und Fadschr-Gebets nicht. Siehe Seite 175 im „Se’ādet-i Ebediyye“, „Die ewige Glückseligkeit“! In der hanafitischen Rechtsschule ist der Eintritt einer Gebetszeit überhaupt der Grund, der Anlass zur Verrichtung des Gebets. Wenn der Grund nicht vorliegt, ist es nicht fard, das Gebet zu verrichten. Daher ist es nach den meisten Gelehrten der hanafitischen Rechtsschule nicht fard, in solchen Ländern diese zwei Gebete zu verrichten. Nach manchen Gelehrten dagegen soll man auch diese Gebete verrichten; und zwar orientiert man sich nach den Gebetszeiten der Länder, deren Breitengrade nah an diesen betreffenden Ländern sind, oder nach den Gebetszeiten in den letzten Tagen dieser betroffenen Länder, die vor diesen Zeiten, in denen die Anfangszeiten nicht eintreten, liegen.

Den Zeitpunkt, zu dem das erste Viertel des Scharʿī-Tages, also der Fastenzeit endet, nennen Astronomie-Gelehrte „Duhā“-Zeit. Dieser Zeitpunkt ist das Ende der Karāha-Zeit. Die Gelehrten des Islam nennen diese Zeit „Ischrāq-Zeit“, also die Zeit, zu der die „Kuschluk-Zeit“ beginnt. In der Duhā-Zeit beträgt die Höhe des Sonnenmittelpunktes in Bezug auf den wahren Horizont 5°. Der untere Sonnenrand hat bezogen auf den gültigen Horizont die Höhe einer Speerlänge. Die Duhā-Zeit beginnt etwa 40 Minuten nach Sonnenaufgang. Die Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und der Duhā-Zeit ist die „Karāha-Zeit“. Es ist sunna, jeden Tag nach Eintritt der Duhā-Zeit das Ischrāq-Gebet mit zwei Rakaʿāt zu verrichten. Dieses Gebet nennt man auch „Kuschluk-Gebet“. Auch das Festgebet (Eid-Gebet) wird in dieser Zeit verrichtet. Die Mitte des Scharʿī-Tages heißt „Dahwa al-kubrā“-Zeit. Die Hälfte der Fadschr-Zeit gemäß der Adhan-Uhr ist die Dahwa al-kubrā-Zeit. Gemäß der mittleren Ortszeit handelt es sich, begonnen mit der Mitternacht, um diejenige Zeit, die sich aus der Hälfte der Summe der Morgendämmerungszeit und der Zeit des Fastenbrechens ergibt.

Um die Anfangszeiten des Zuhr- und ʿAsr-Gebets leicht ermitteln zu können, schrieb Abdulhaqq as-Sudschādil, ein Schüler von Muhammad Maʿsūm as-Sirhindī, möge Allah mit ihnen barmherzig sein, ein Buch namens „Masāil Scharh al-Wiqāya“ auf Persisch. In einem Exemplar dieses Buches, das 1294 n. H. (1877 n. Chr.) in der Druckerei Hayderī in Indien gedruckt wurde, und im Buch „Madschmaʿ al-Anhur“ steht Folgendes:

„Man zeichnet einen Kreis auf einer ebenen Fläche, auf die die Sonne scheint. Dieser Kreis wird ,Dāira hindiyya‘ genannt. Im Mittelpunkt dieses Kreises stellt man aufrecht einen Stab, der so lang wie dessen Radius ist. Die Spitze des Stabes soll von drei verschiedenen Punkten des Kreises gleich weit entfernt sein, damit der Stab absolut senkrecht steht. Dieser Stab wird ,Mikyās‘ genannt. Morgens ist der Schatten des Stabes länger als der Radius des Kreises, sodass er bis über den Kreisrand hinaus reicht, und in Richtung Westen. Je höher die Sonne steigt, umso kürzer wird der Schatten des Stabes. Sobald dabei der Schatten den Kreisrand erreicht, markiert man diesen Schnittpunkt. Nach dem Mittag ragt der Schatten des Stabes im Osten vom Rand des Kreises hinaus. Sobald der Schatten auf den Kreisrand trifft, wird auch dieser Schnittpunkt markiert. Zwischen dem Mittelpunkt des Kreisbogens, der von diesen zwei Punkten gebildet wird, die sich am Kreisrand befinden, und dem Mittelpunkt des Kreises zieht man eine gerade Linie. Diese Linie ist die „Meridianlinie“ von jenem Standort. Die Ausrichtung dieser Linie verweist auf die nördliche und die südliche Richtung. Wenn man sich in die Richtung wendet, in der die Sonne aufgeht, zeigt die linke Schulterseite in Richtung Norden. Wenn der vordere Sonnenrand von der Linie des scheinbaren Horizonts aufsteigt und an der Zielhöhe ankommt, beginnt die „Zeit der scheinbaren Mittagshöhe“. Ab diesem Zeitpunkt kann nicht mehr wahrgenommen werden, dass der Schatten länger und kürzer wird. Die kürzeste Länge des Schattens nennt man „Schatten der Mittagshöhe“ (Fay az-Zawāl). Wenn der hintere Sonnenrand beginnt, zu sinken und bezüglich des Oberflächenhorizonts [bezüglich der Linie des scheinbaren Horizonts] die Zielhöhe erreicht, ist dies das Ende der „Zeit der scheinbaren Mittagshöhe“ und die „Zeit des scheinbaren Mittags (Zuhr)“ tritt ein. Man kann nun wahrnehmen, dass der Schatten länger wird. Die Mitte des Zeitintervalls vom Ende der Zeit der scheinbaren Mittagshöhe, also vom Ende des Kürzerwerdens des Schattens, und dem Beginn des Längerwerdens des Schattens ist diejenige gültige Zeit, zu der der Sonnenmittelpunkt am Himmel auf den Meridian trifft, wobei er bezüglich des wahren Horizonts die Zielhöhe erreicht. Dieser Zeitpunkt ist die Tagesmitte, also die „Zeit der gültigen wahren Mittagshöhe“. Zu diesem Zeitpunkt zeigt die Uhr gemäß der wahren Mittagshöhe 12 Uhr an. Die algebraische Summe der Zeitgleichung und 12 gilt als Beginn der Tageszeit. Zu dieser Zeit wird die mittlere Ortszeit gemäß der Mittagshöhe auf 12 eingestellt und ist der Beginn der auf die Mittagshöhe bezogenen Uhr. Die „Zeit der wahren gültigen Mittagshöhe“ ist 8 Minuten und 20 Sekunden nach der „Zeit der mathematischen Mittagshöhe“, zu der die Sonne die Mittagshöhe erreicht. Denn das Sonnenlicht erreicht die Erde in 8 Minuten und 20 Sekunden. Zu den mathematischen Gebetszeiten, die durch Berechnung ermittelt werden, addiert man 8 Minuten und 20 Sekunden, sodass diese in die gültigen Zeiten umgewandelt werden. Diese Umwandlung führen Uhren aus. Es zeigt sich, dass die gültigen Zeiten in den Uhren und die mathematischen Zeiten identisch sind.“

In dem Taschenkalender namens „Miyār-i Awqāt“, der 1193 n. H. (1779 n. Chr.) in Erzurum gedruckt wurde, steht: „Zur Zeit der (gültigen) Mittagshöhe, zu der der Schatten am kürzesten wahrgenommen wird, wird bei der Adhan-Uhr von der Mittagszeit, die im Kalender steht, die Zeit der Vorsicht abgezogen und somit ihre Einstellung korrigiert.“ Denn die Zeit der Mittagshöhe tritt um so viele Minuten vor der Mittagszeit ein, wie die Zeit der Vorsicht beträgt. Um die Adhan-Uhr einzustellen, wird, wenn die Uhr, welche gemäß der mittleren Ortszeit eingestellt ist, eine beliebige Gebetszeit anzeigt, die Adhan-Uhr auf die Adhan-Zeit dieses Gebets gestellt. Der Schatten der Mittagshöhe hat je nach Breiten- und Neigungsgrad, also bei jedem Breitengrad und an jedem Tag eine andere Länge.

Um die Sonnenhöhe zu der Zeit des ʿAsr-Gebets zu ermitteln, verwendet man die Tabelle „Sonnenhöhe-Schattenlänge.“ Diese Tabelle haben wir aus dem „Takvīm-i sāl“ aus dem Jahre 1924 entnommen und am Ende als Anhang eingefügt. Da z.B. am 13. August in Istanbul die Zielhöhe der Sonne 64° beträgt, steht in der Tabelle für den kürzesten Schatten eines senkrechten Ein-Meter-langen Stabes die Länge 0,49 m. Zur Zeit des „ersten Nachmittags“ beträgt gemäß der Tabelle die Schattenlänge 1,49 m und die Sonnenhöhe 34°.

Man öffnet einen Zirkel so weit wie die Länge des Schattens der Mittagshöhe und fixiert den einen Schenkel an dem Punkt, an dem die Meridianlinie den Kreis schneidet. Mit dem anderen Schenkel zeichnet man entsprechend der eingestellten Länge einen zweiten Kreis. Der Zeitpunkt, an dem der Schatten des „Mikyās“ genannten senkrechten Stabes den zweiten Kreis schneidet, ist die Zeit des „wahren ersten Nachmittags“. Den zweiten Kreis muss man jeden Tag neu zeichnen.

Die Scharʿī-Gebetszeiten muss man gemäß der auf den Scharʿī-Horizont bezogenen Höhe des Sonnenrandes berechnen. Man darf sie aber nicht nach der auf den wahren Horizont bezogenen Höhe berechnen. Zu dem Zeitpunkt des wahren Sonnenuntergangs, der gemäß der auf den wahren Horizont bezogenen Höhe berechnet wird, sieht man, dass die Sonne an den Linien des scheinbaren Horizonts von höhergelegenen Orten noch nicht untergegangen ist.

Die Zeitspanne, in der der Sonnenmittelpunkt in zwei Tagen durch den Meridian verläuft, also die Zeitspanne zwischen zwei Zeiten der wahren Mittagshöhe von zwei Tagen, heißt „wahrer Sonnentag“. Da ihre Längen nicht identisch sind, benutzt man den „mittleren Sonnentag“. Die Länge des mittleren Sonnentages entspricht 1/360 der 365,24 Tage eines Sonnenjahres. Mittlere Sonnentage haben stets dieselbe Länge/Dauer. Den Unterschied zwischen einem wahren und einem mittleren Sonnentag nennt man „Zeitgleichung“ eines Tages. Wenn der mittlere Sonnentag länger ist, ist der Wert der Zeitgleichung negativ (–), andernfalls positiv (+). Der Wert der Zeitgleichung ändert sich täglich innerhalb eines Jahres zwischen +16 und –14 Minuten und hat im Jahr viermal den Wert null.

Die Zeitspanne, die vergeht, bis nach der Zeit des „mathematischen Sonnenuntergangs“, zu der der Sonnenmittelpunkt am wahren Horizont untergeht, das Licht des hinteren Sonnenrandes, nachdem er zum Scharʿī-Horizont gesunken ist, am höchsten Punkt verschwindet, wird „Zeit der Vorsicht“ genannt. Die Zeit der Vorsicht eines Ortes [Stadt oder Dorf] ändert sich je nach Anhöhe und Breitengrad. Die tägliche Änderung der Zeit der Vorsicht beträgt einige Sekunden. Bei der Berechnung der Gebetszeiten und der Zeit des Fastenbrechens (Iftar) benutzt man die Zeit der Vorsicht des höchsten Punktes an jedem Ort. Für Istanbul beispielsweise wird eine Zeit der Vorsicht von 8 Minuten verwendet, die für den Hügel Tschamlidscha, der 267 Meter hoch ist, berechnet ist. Aufgrund der täglichen Änderung der Zeit der Vorsicht und der Differenzen zwischen den Zeiteinheiten nimmt man für Istanbul eine Zeitspanne von 10 Minuten als Zeit der Vorsicht an. Die Zeitgleichung und die Deklination der Sonne ändern sich täglich um ca. eine halbe Minute. Deren täglicher Betrag aber ist an jedem Ort gleich.

Die Uhren zeigen innerhalb eines mittleren Sonnentages 24 Stunden an. Sie messen die mittleren Ortszeiten bzw. die Adhan-Zeiten. Die Uhr eines Ortes, die gemäß der mittleren Ortszeit eingestellt ist, wird auf 12 gestellt, wobei sie sich von der wahren gültigen Zeit der Mittagshöhe um die Zeitgleichung unterscheidet. Die Adhan-Uhr hingegen stellt man auf 12 ein, wenn wahrgenommen wird, dass die Sonne am Scharʿī-Horizont, also vom höchsten Punkt untergeht. Diese Uhren zeigen nicht die Zeiten des Sonnenuntergangs, sondern die Zeiten gemäß der Adhan-Uhr. Je mehr man in Richtung Osten voranschreitet, d.h. die Längengrade zunehmen, desto mehr werden die Uhren, die die mittleren Ortszeiten anzeigen, vorgestellt. Deswegen ändern sich gemäß der Änderung der Längengrade die Gebetszeiten, die die Uhren anzeigen, nicht. Die Länge des auf den Sonnenuntergang bezogenen und des auf die Adhan-Uhr bezogenen Tages ist ungefähr gleich. Der Unterscheid zwischen den Anfangszeiten von beiden Tagen ist die Zeit der Vorsicht. Sie sind 1-2 Minuten unterschiedlich von dem wahren Sonnentag [also von dem auf die Mittagshöhe bezogenen Tag]. Durch Berechnung ermittelt man die mathematischen Zeiten der Gebete, die auf die Mittagshöhe bzw. auf den Sonnenuntergang bezogen sind. Diese mathematischen Zeiten sind mit den gültigen Zeiten, die die Uhren anzeigen, identisch. Je höher die Breitengrade sind, desto früher treten die Zeiten der vier Gebete [außer dem ʿIschā-Gebet] ein. Obwohl sich die Ortszeiten nicht ändern, wenn die Längengrade zunehmen, erlebt man sie gemäß der Normalzeit früher.

Im Buch von Ibn ʿĀbidīn zum Thema „Sachen, deren Durchführung für den Fastenden mustahabb sind“ und in der Erläuterung zum „Marāqī al-Falāh“ von Tahtāwī zum Thema „Gebetszeiten“ steht wie folgt: „Man darf das Fasten nicht brechen, solange man nicht sieht, dass der obere Sonnenrand an der Linie des scheinbaren Horizonts untergeht. Jemand, der sich an einem niedrigen Standort befindet, darf das Fasten früher brechen als derjenige, der sich an einem höheren Standort befindet, weil er den Sonnenuntergang früher sieht. Für diejenigen, die den Sonnenuntergang an der Linie des scheinbaren Horizonts nicht sehen können, gilt als Sonnenuntergang die Zeit, zu der die Anhöhen im Osten dunkel werden.“ Dies ist nämlich der auf den Scharʿī-Horizont bezogene Sonnenuntergang. Hieraus wird ersichtlich, dass man bei der Berechnung der Gebetszeiten und der Zeit des Fastenbrechens (Iftar) die Zeit der Vorsicht benutzen, d.h. die Höhen bezüglich der Scharʿī-Horizonte berücksichtigen muss. Bei der Berechnung darf man nicht die scheinbaren Höhen bezüglich der Linien des scheinbaren Horizonts, die für jede Anhöhe unterschiedlich sind, verwenden. Denn es gibt zahlreiche Linien des scheinbaren Horizonts und für jede von ihnen unterschiedliche Höhen und zusätzlich gibt es an jedem Ort für ein einziges Gebet verschiedene mathematische Zeiten.

Um die mathematische Scharʿī-Zeit, zu der der Sonnenrand vom Scharʿī-Horizont zur Höhe der Gebetszeit angelangt ist, zu berechnen, berechnet man zunächst die zu diesem Gebet zugehörige „Zeitdifferenz“ (Fadl dāir). Die Zeitdifferenz ist die Zeitspanne zwischen der Zeit des Sonnenmittelpunktes und der Mitte der Tages- oder Nachtzeit. Um die Zeitdifferenz zu ermitteln, werden verschiedene Formeln und Gleichungen durch Logarithmieren oder Rechner gelöst. Die Zeitdifferenzen der Zeiten des Zuhr (Mittag), ʿAsr (Nachmittag), Isfirār, Maghrib (Abend), Ischtibāk und ʿIschā (Nacht) werden zu der [in Uhren angezeigten] Zeit der [gültigen] wahren Mittagshöhe addiert, bei einigen Uhren die ermittelte Zeitdifferenz des ʿIschā-Gebets von der Mitternacht subtrahiert, für die Zeiten der Morgendämmerung (Fadschr) und des Sonnenaufgangs (Tulūʿ) zur Mitternacht addiert, für die Ischrāq-Zeit von der Zeit der wahren Mittagshöhe subtrahiert und dadurch die mathematischen „wahren Zeiten“ bezüglich der wahren Ortszeiten oder der auf den Sonnenuntergang bezogenen Zeiten ermittelt.  Die „Scharʿī-Zeiten“ werden ermittelt, indem die Zeit der Vorsicht zu den wahren Ortszeiten des Zuhr, ʿAsr, Maghrib, Ischtibāk und ʿIschā addiert und von den mathematischen wahren Zeiten der Morgendämmerung und des Sonnenaufgangs subtrahiert wird. Denn die Zeitdifferenz zwischen der wahren Ortszeit eines Gebets und seiner Scharʿī-Zeit ist identisch mit der Zeitdifferenz zwischen dem wahren Horizont und dem Scharʿī-Horizont. Und diese Zeitdifferenz entspricht der „Zeit der Vorsicht“. Für jede Stadt gibt es nur eine einzige „Zeit der Vorsicht“. Diese wird verwendet, um die Scharʿī-Zeiten zu ermitteln. Die Scharʿī-Zeiten wiederum werden in die Adhan-Zeiten oder in die mittleren Ortszeiten umgerechnet und in die Kalender eingetragen. [Im Buch „Se’ādet-i Ebediyye“ stehen Beispiele für die Berechnung der Gebetszeiten.] Um die wahre Ortszeit in die mittlere Ortszeit umzurechnen, addiert man zur wahren Ortszeit die „Zeitgleichung“. Um die Zeit gemäß dem Sonnenuntergang in die Adhan-Zeit umzurechnen, wird stets eine „Zeit der Vorsicht“ subtrahiert. Man sieht also, dass die Zeiten des Zuhr-, ʿAsr-, Maghrib- und ʿIschā-Gebets bezüglich des Sonnenuntergangs und bezüglich der Adhan-Uhr gleich sind. Bereits vor Jahrhunderten haben die Gelehrten des Islam mit einem „Rubʿ ad-dāira“ genannten Messgerät bzw. einem Oktanten, die sie anfertigten, die auf den mathematischen Horizont bezogene Sonnenhöhe gemessen. Mit einem Sextanten hingegen haben sie die auf die Linie des scheinbaren Horizonts bezogene Sonnenhöhe gemessen. Mit diesen Messungen haben sie schließlich die wahre Höhe jeder Gebetszeit berechnet. Die Zeiten vor der Mittagshöhe werden mithilfe ihrer Höhen gemäß dem Scharʿī-Horizont des Sonnenaufgangs, die Zeiten nach der Mittagshöhe hingegen mithilfe ihrer Höhen gemäß dem Scharʿī-Horizont des Sonnenuntergangs berechnet. Weil die Mittagszeit nach der Mitte der Tageszeit eintritt, muss die „Zeit der Scharʿī-Mittagshöhe“ eine Zeitspanne, die der Zeit der Vorsicht entspricht, nach der Zeit der wahren Mittagshöhe eintreten. Siehe die Übersetzung des „Schamāil-i scharīfa“ von Husāmaddīn Efendi! In dem Buch namens „Rub-i dāirenin sūret-i isti’māli“ von Ahmed Ziya Beğ, das 1339 n. H. (1921 n. Chr.) gedruckt wurde, steht: „Wenn man zur mittleren Ortszeit, die der Uhrzeit 12 bei der Zeit der wahren gültigen Mittagshöhe entspricht, die diesem Ort zugehörige Zeit der Vorsicht addiert, erhält man die mittlere Ortszeit und die Zeit des Scharʿī-Mittags.“ Im neunten Kapitel des Buches „Risālat al-Irtifāʿ“ von Kedūsī, das von Hasan Schevkī Efendi aus Hesargrad, einem Ordinarius (ordentlicher Professor) der ehemaligen islamischen Hochschule Fatih in Istanbul, übersetzt wurde, steht zum Thema „Berechnung der Morgendämmerung“: „Die Zeiten, die wir als Anfangszeiten der Morgendämmerung ermitteln, beinhalten die Zeit der Vorsicht nicht. [Es handelt sich dabei nämlich um diejenige [mathematische] Zeit, zu der der Sonnenmittelpunkt gemäß der auf den Sonnenuntergang bezogenen Zeit eine Höhe von –19° bezüglich des wahren Horizonts hat.] Die Fastenden sollen unbedingt zwei Vorsichts-Einheiten [15 Minuten] früher mit dem Fasten beginnen, also mit dem Essen aufhören. Auf diese Weise [indem man zu derjenigen Zeit der Morgendämmerung mit dem Fasten beginnt, die gemäß der Höhe des vorderen Sonnenrandes bezüglich des Scharʿī-Horizonts und gemäß der Adhan-Uhr ermittelt wird,] wird das Fasten davon befreit, ungültig zu werden.“ Man sieht also, dass auch dieser große Gelehrte von der wahren Ortszeit zwei Vorsichts-Einheiten subtrahiert, um die Scharʿī-Zeit bezüglich der Adhan-Uhr zu ermitteln, und dass er mitteilt, dass, sollte man sie nicht subtrahieren, das Fasten ungültig wird. Die Zeit der Vorsicht für Istanbul ist als acht Minuten ermittelt worden und wird vorsichtshalber als zehn Minuten angenommen. Der Gelehrte Ahmed Ziya Beğ sagt: „Der Beginn der Zeit der Scharʿī-Morgendämmerung bezüglich der Adhan-Uhr wird ermittelt, indem man die doppelte Zeit der Vorsicht von der mit dem „Rubʿ ad-dāira“ genannten Messgerät ermittelten Zeit des wahren Fadschr subtrahiert.“ Eine der zwei Zeiten der Vorsicht dient dazu, die wahre Ortszeit in die Scharʿī-Zeit umzuwandeln. Die zweite ist dazu da, die Zeit gemäß dem Sonnenuntergang in die Adhan-Zeit umzurechnen. Dass es notwendig ist, von der Zeit des wahren Fadschr, die mittels Berechnung oder mittels „Rubʿ ad-dāira“-Messgerät ermittelt wird, für die Umwandlung in die Adhan-Zeit zwei Vorsichts-Einheiten zu subtrahieren, zeigt, dass es für die Umrechnung in die mittlere Ortszeit nötig ist, nur eine Vorsichts-Einheit zu subtrahieren. Wenn für die Umrechnung in die mittlere Ortszeit diese eine Vorsichts-Einheit nicht subtrahiert wird, ist das Fasten ungültig. Im Vorwort des Buches „Risālat al-Irtifāʿ“ von Kedusī steht: „Dieses Buch wurde mit Genehmigung des Kultusministeriums mit der Nr. 230 im Jahre 1310 n. H. [1892 n. Chr.] gedruckt.“ Daher beginnen in Kalendern, die von Osmanischen Gelehrten vorbereitet wurden, z.B. in dem Kalender namens „Ilmiyye Sālnāmesi“, der vom „Maschīhat al-islāmiyya“ genannten höchsten Amt der Gelehrten des Omanischen Reiches 1334 n. H. (1916 n. Chr.) vorbereitet wurde, und auch in allen bis 1982 vorbereiteten Kalendern und zusätzlich im Buch, das durch das Observatorium Kandilli mit dem Titel „Awqāt-i scharʿiyya“, mit dem Datum 1958 und der Nr. 14 gedruckt wurde, die Zeiten der Morgendämmerungen zwei Vorsichts-Einheiten vor den wahren Ortszeiten. Das Fasten desjenigen, der selbst 5 Minuten nach der in diesen Kalendern eingetragenen Zeit der Scharʿī-Morgendämmerung mit dem Fasten beginnt, ist nicht gültig. Der Schatten zur Zeit der Scharʿī-Mittagshöhe ist länger als der „Schatten der Mittagshöhe“ (Fay az-Zawāl) zur Zeit der wahren Mittagshöhe. Die Differenz zwischen diesen beiden entspricht der Länge, die während der Zeit der Vorsicht entsteht.

Am 21. März und am 23. September betragen sowohl die Nachtzeit als auch die Tageszeit 12 Stunden und die Sonne geht an diesen Tagen immer sechs Stunden vor der wahren Mittagshöhe auf und sechs Stunden nach der wahren Mittagshöhe unter. Da an anderen Tagen die Dauer der Tages- und Nachtzeit nicht identisch ist, beträgt in Sommermonaten die Differenz zwischen der Zeit der waren Mittagshöhe und der Zeit des wahren Sonnenaufgangs bzw. – untergangs etwas mehr als sechs Stunden. In Wintermonaten beträgt diese Differenz etwas weniger als sechs Stunden. Diese sechs-stündige Zeitdifferenz wird Zeit der „Halbdifferenz“ genannt. In Sommermonaten beträgt der Unterschied zwischen der Zeit der Mittagshöhe und dem wahren Sonnenauf- und -untergang soviel wie die Summe aus 6 und der Halbdifferenz. Wenn sich die Sonnenuntergangszeit von der Zeit der Mittagshöhe entfernt, nähert sich der morgendliche Beginn der auf den Sonnenuntergang bezogenen Zeit der Zeit der Mittagshöhe. Die auf den Sonnenuntergang bezogene Zeit der Mittagshöhe weist in Sommermonaten zur Halbdifferenz einen Unterschied von sechs Stunden auf. Mittels der Gleichung:

sin Halbdifferenz = tan Breitengrad des Ortes x tan Deklination

lässt sich der Winkel der „Halbdifferenz“ an einem beliebigen Ort ermitteln. Das Vierfache hiervon ergibt die Winkelminute. Wenn die Deklination und der Breitengrad gleiche Vorzeichen besitzen, also sich in derselben Halbkugel befinden, ergibt sich, wenn man den absoluten Zeitwert der Halbdifferenz zu 6 addiert, die mathematische wahre Sonnenuntergangszeit gemäß der wahren Ortszeit und auch die Zeit von 12 um Mitternacht bis morgens 12 gemäß dem Sonnenuntergang. Auch die Differenz zwischen der wahren Sonnenaufgangszeit und der auf die Mittagshöhe bezogenen Zeit ist mit dieser Zeit identisch. Wenn man den absoluten Zeitwert der Halbdifferenz von 6 subtrahiert, ergibt sich die Zeit der mathematischen wahren Mittagshöhe gemäß der Zeit des Sonnenuntergangs, d.h. die Zeit zwischen morgens 12 und der Mittagshöhe. Dies ist zugleich auch die Zeit des Scharʿī-Mittags gemäß der Adhan-Uhr und die wahre Sonnenaufgangszeit gemäß der wahren Ortszeit. Wenn sich die Deklination und der Breitengrad des Ortes in unterschiedlichen Halbkugeln befinden, ergibt sich, wenn man den absoluten Zeitwert der Halbdifferenz zu 6 addiert, die auf den Sonnenuntergang bezogene Zeit der wahren Mittagshöhe bzw. die wahre Sonnenaufgangszeit gemäß der wahren Ortszeit. Wenn man den gleichen Wert von 6 subtrahiert, ergibt sich die mathematische wahre Sonnenuntergangszeit von jenem Ort gemäß der wahren Ortszeit. Wenn man z.B. für den 1. Mai folgende Rechnung mit dem Taschenrechner „Privileg“ durchführt, indem man 14.55  tan x 41 tan = arc sin x 4 =  eingibt, wird für die Halbdifferenz 53 Minuten 33 Sekunden angezeigt. Bezüglich der wahren Ortszeit beträgt die mathematische wahre Sonnenuntergangszeit 6 Stunden 54 Minuten, bezüglich der mittleren Ortszeit 6 Stunden 51 Minuten und bezüglich der Normalzeit 18 Stunden 55 Minuten. Die Scharʿī-Sonnenuntergangszeit beträgt 19 Stunden 5 Minuten. Bezüglich der Sonnenuntergangzeit beträgt die Zeit der wahren Mittagshöhe 5 Stunden 6 Minuten. Wenn man für Istanbul stets 10 Minuten als Zeit der Vorsicht von diesem Betrag subtrahiert, erhält man für die Zeit der Mittagshöhe gemäß der Adhan-Uhr 4 Stunden 56 Minuten. Wenn man zu diesem Betrag erneut 10 Minuten als Zeit der Vorsicht während des Mittags addiert, erhält man für die Mittagszeit gemäß der Adhan-Uhr 5 Stunden 6 Minuten. Da die Zeiten der Vorsicht für die Mittagszeit und für die Sonnenuntergangszeit gleich lang sind, sind die auf den Sonnenuntergang bezogene Zeit der wahren Mittagshöhe und die Mittagszeit gemäß der Adhan-Uhr identisch. Auch mit den Zeiten des ʿAsr- und des ʿIschā-Gebets gemäß der Adhan-Uhr verhält es sich so. Die Normalzeit und die Scharʿī-Sonnenuntergangszeit betragen je 4 Stunden und 57 Minuten. 5 Stunden und 6 Minuten entsprechen der Hälfte der wahren Nachtzeit. Subtrahiert man die doppelte Zeit der Vorsicht von der Zeitspanne der wahren Nacht, die 10 Stunden und 12 Minuten beträgt, erhält man für die Scharʿī-Sonnenaufgangszeit gemäß der Adhan-Uhr 9 Stunden und 52 Minuten. Überall in der Türkei verrichtet man das Fadschr-Gebet 15 Minuten nach der Morgendämmerung. Den Senkungswinkel des Horizonts einer Anhöhe D erhält man mittels:

Y ist die betreffende Anhöhe, ausgedrückt in Metern.

Die Zeitdifferenz H in Stunden kann mittels der untenstehenden Formel für alle Orte ermittelt werden. Dabei handelt es sich um die Zeit zwischen der gesuchten Zeit und der Mittagszeit. Für die Zeit der Morgendämmerung gemäß der Adhan-Uhr gilt: [12 + Zuhr – H – (1 ÷ 3) = Stunden] und für die ʿIschā-Zeit: [H – (12 – Zuhr)] in Stunden. Mit dem Privileg-Taschenrechner kann H wie folgt berechnet werden:

h sin – φ sin x δ sin = ÷ φ cos ÷ δ cos = arc cos ÷ 15 =

h = Höhe, φ = Breitengrad, δ = Deklination

Die Höhe h hat nachts und φ und δ haben auf der südlichen Erdhalbkugel negative (–) Vorzeichen. Und die Gebetszeiten können bezüglich der Normalzeit mit dem Casio-Taschenrechner folgendermaßen errechnet werden:

H + S – T = ÷ 15 + 12 – E + N = INV

S = Längengrad pro Stunde, T = Längengrad (Meridian),

E = Zeitgleichung, N = Zeit der Vorsicht

Die Werte für H, S und T sind in Grad und die Werte für E und N in Stunden ausgedrückt. Die Vorzeichen von H und N sind vor dem Mittag negativ (–) und nach dem Mittag positiv (+).

Die Zeit der Vorsicht N kann für die Orte, die sich südlich vom 44. Breitengrad befinden und deren höchste Anhöhen niedriger als 500 Meter sind, wie folgt in Stunden berechnet werden:

0,03 x Y + 1.05 = sin ÷ φ cos ÷ δ cos x 3,82 = INV

Um mit dem Taschenrechner CASIO fx 3600 P die Zeitdifferenz H zu ermitteln, drückt man, nachdem man den Rechner eingestellt hat, auf die Tasten P1 h RUN Deklination RUN Breitengrad RUN. Wenn z.B. die Deklination einen Wert von 21° 47′ 43.5” hat, wird im Rechner Folgendes eingegeben:

21  47 43.5 Auf dem Display wird die wahre Ortszeit angezeigt. Haben die Werte negative Vorzeichen, so wird die Taste +/– gedrückt. Um den Rechner einzustellen, drückt man nacheinander die Tasten: MODE  P1 ENT sin – ENT Kin 1 sin x ENT Kin 3 sin = ÷ Kout 1 cos ÷ Kout 3 cos = INV cos ÷ 15 = INV  MODE

Mit eingestellten Taschenrechnern kann man alle Gebetszeiten für einen Ort, deren Längen- und Breitengrade eingegeben werden, für einen Tag oder ein Jahr in Form einer Tabelle erhalten. Diese Tabellen sind überall auf der Welt elektronisch leicht zugänglich. Siehe Seite 200 im „Se’ādet-i Ebediyye“, „Die ewige Glückseligkeit“!

An jedem beliebigen Tag können für jeden Ort, dessen Deklination und Zeitgleichung bekannt sind und dessen Breitengrad 41° beträgt, die Halbdifferenz, die Zeitdifferenz und die Gebetszeiten, ohne dass Berechnungen, Formeln und Taschenrechner nötig sind, mithilfe des „Rubʿ ad-dāira“-Messgeräts leicht und schnell ermittelt werden. Dieses Messgerät und ihre Gebrauchsanweisung werden vom Verlag Hakîkat Kitâbevi hergestellt und verteilt.

Die Zeiten der gottesdienstlichen Handlungen (ʿIbādāt) ausfindig zu machen und zu ermitteln, sie zu verstehen und kundzutun, geschieht mithilfe der dazugehörigen religiösen Kenntnisse. Die Zeiten der gottesdienstlichen Handlungen haben die Gelehrten des Islam, also die Mudschtahids, richtig verstanden und mitgeteilt. Die Rechtsgelehrten haben die Kenntnisse der Mudschtahids in ihren Fiqh-Büchern festgehalten. Die mitgeteilten Zeiten der gottesdienstlichen Handlungen zu errechnen, ist jedoch die Aufgabe der Muslime, die sich mit der Astronomie auskennen. Es sind die gelehrten Astronomen, die jene Zeiten, deren Errechnung dschāiz ist, ausfindig machen. Diese Zeiten müssen von Gelehrten des Islam bestätigt werden. Dass die Feststellung der Gebetszeiten mit der Uhrzeit bzw. die Bestimmung der Gebetsrichtung (Kibla) mit dem Kompass dschāiz ist, steht im Buch von Ibn ʿĀbidīn zum Thema „Sich beim Gebet nach der Kibla wenden“ und in dem Buch „Fatāwā Schamsuddīn ar-Ramlī“. Im Buch „Mawdūʿāt al-ʿUlūm“ heißt es: „In unserer Zeit ist es eine Fard kifāya, die Gebetszeiten zu berechnen. Es ist für Muslime fard, sie von dem täglichen Sonnenlauf oder von Kalendern zu verstehen.“

Im Buch von Ibn ʿĀbidīn und im Buch „Al-Anwār“ zur schafiitischen Rechtsschule und in der Erläuterung des Buches „Al-Muqaddama al-ʿizziyya“ zur malikitischen Rechtsschule steht Folgendes: „Damit das Gebet gültig ist, muss es nach Eintreten seiner Zeit verrichtet werden und man muss sich bewusst sein, dass man das Gebet zu seiner Zeit verrichtet. Wenn man das Gebet verrichtet, während man sich nicht sicher ist, also daran zweifelt, ob seine Zeit eingetreten ist, und später erfährt, dass man es zu seiner Zeit verrichtet hat, ist dieses Gebet nicht gültig. Dass die Gebetszeit eingetreten ist, erfährt man, indem man den Adhan vernimmt, den ein gerechter Muslim (ʿĀdil), der die Gebetszeiten kennt, ausruft. Wenn der Muezzin nicht gerecht ist, [oder wenn man keinen von einem gerechten Muslim vorbereiteten Kalender hat,] soll man selbst nachforschen, ob die Gebetszeit eingetreten ist, und das Gebet dann verrichten, wenn man stark davon ausgeht, dass sie eingetreten ist. Auch die Mitteilungen von einem Sünder (Fāsiq) oder jemandem, an dessen Gerechtigkeit Zweifel besteht, über die Gebetsrichtung oder über andere Sachen, die die Religion betreffen, wie über Unreinheit, Halāl und Harām, sind wie sein Ausrufen des Adhans: man soll sich nicht nach dessen Worten richten, sondern man befolgt das, was man selbst nachgeforscht und verstanden hat.“ Alleinbetende, Kranke, Reisende und all diejenigen, die die Befürchtung haben, so sehr in ihre Beschäftigung vertieft zu sein, dass sie dann das Gebet verpassen, sollten alle Gebete zu Beginn der Zeit verrichten. In der hanafitischen Rechtsschule ist es besser, das Fadschr-Gebet gegen Ende seiner Zeit zu verrichten.

Die Zeit des Fadschr-Gebets bzw. des Fastens beginnt mit Eintritt der Zeit der Morgendämmerung (Fadschr). Diese Zeit beginnt damit, dass die auf 12 Uhr beim Sonnenuntergang bezogene Adhan-Uhr zur Fadschr-Zeit gelangt; oder damit, dass die Uhr, die die mittlere Ortszeit anzeigt und um 12 bei Mitternacht beginnt, zur Fadschr-Zeit gelangt.

Der Sonnenaufgang beginnt von 12 Uhr Mitternacht an nach einer Zeitspanne von der Hälfte der Nachtzeit oder gemäß der auf 12 Uhr beim Sonnenuntergang bezogenen Zeit nach einer Zeitspanne, die der Länge der Nachtzeit entspricht, oder aber eine Zeitspanne von der Hälfte der Tageszeit vor der Mittagshöhe. 12 Uhr des Morgens nach der auf den Sonnenuntergang bezogenen Zeit ist 12 Stunden nach 12 Uhr gemäß der Sonnenuntergangszeit bzw. der Zeitpunkt, an dem von 12 Uhr Mitternacht an eine Zeitspanne von der Hälfte der Tageszeit vergangen ist, oder der Zeitpunkt, der um die Zeitspanne der Hälfte der Nachtzeit vor der Zeit der wahren Mittagshöhe liegt.

Zwischen der Sonnenaufgangszeit und 12 Uhr des Morgens liegt eine Zeitdauer, die der Differenz zwischen den Hälften der Nacht- und Tageszeit entspricht.

Es ist mustahabb, in Gemeinschaft (Dschamāʿa) das Zuhr-Gebet im Sommer bei Hitze spät, im Winter hingegen früh zu verrichten. Das Maghrib-Gebet immer früh zu verrichten ist mustahabb. Das ʿIschā-Gebet so weit zu verschieben, bis das erste Drittel der Scharʿī-Nacht erreicht ist, ist mustahabb. Es ist makrūh tahrīman, das ʿIschā-Gebet bis nach Mitternacht hinauszuzögern. Diese genannten Verspätungen sind nur für die Gebete in Gemeinschaft bestimmt. Die zu Hause Alleinbetenden sollten jedes Gebet sofort verrichten, sobald ihre Zeiten eintreten. In einem ehrwürdigen Hadith, der im Buch „Kunūz ad-Daqāiq“ steht und von Hākim und Tirmidhī überliefert wurde, heißt es: „Die wertvollste der gottesdienstlichen Handlungen (ʿIbādāt) ist das Gebet, das zu Beginn seiner Zeit verrichtet wird.“ Mit dem folgenden ehrwürdigen Hadith, der auf Seite 537 des Buches „Izālat al-Khafā“ und im „Sahīh Muslim“ steht, wird mitgeteilt: „Es wird eine Zeit kommen, in der Vorgesetzte und Imame (Vorbeter) das Gebet verderben, es [das Verrichten des Gebets] über seine Zeit hinaus aufschieben werden. Verrichte du deine Gebete rechtzeitig! Wenn sie nach dir eine Gemeinschaft bilden, dann verrichte das Gebet auch nochmal mit ihnen! Dein zweites Gebet ist dann ein Nāfila-Gebet.“ Vorsichtshalber sollten das ʿAsr- und das ʿIschā-Gebet nach dem Standpunkt von Imām al-Aʿzam verrichtet werden. Wer nicht aufwachen kann, sollte das Witr-Gebet gleich nach dem ʿIschā-Gebet verrichten. Wer das Witr-Gebet vor dem ʿIschā-Gebet verrichtet, muss es wiederholen. Diejenigen, die aufwachen können, sollten das Witr-Gebet gegen Ende der Nacht verrichten.

Während an einem Ort die Zeit für ein Gebet gemäß der mittleren Ortszeit und der Normalzeit bekannt ist, werden, um die Zeit dieses Gebets gemäß der Adhan-Uhr zu ermitteln, folgende zwei Formeln verwendet:

Normalzeit = auf die Adhan-Uhr bezogene Zeit + auf die Normalzeit bezogene Scharʿī-Sonnenuntergangszeit.

Auf die Adhan-Uhr bezogene Zeit = Normalzeit – auf die Normalzeit bezogene Scharʿī-Sonnenuntergangszeit. Bei der Berechnung der Zeiten vor dem Sonnenuntergang wird, um eine Subtraktion vornehmen zu können, zuerst 12 addiert. Im Buch von Ahmed Ziya Beğ wird anstelle der Formel für die Sonnenuntergangszeit die Formel für die Zeit der Mittagshöhe verwendet.

Diese zweite Formel benutzt man auch, um zu einer beliebigen Zeit die Adhan-Uhr einzustellen.

In der malikitischen und schafiitischen Rechtsschule können das Zuhr-Gebet mit dem ʿAsr-Gebet und das Maghrib-Gebet mit dem ʿIschā-Gebet zusammengelegt werden (Dschamʿ). Das Zuhr-Gebet kann in der Zeit des ʿAsr-Gebets verrichtet werden und umgekehrt und das Maghrib-Gebet kann in der Zeit des ʿIschā-Gebets verrichtet werden und umgekehrt.

 

 

DIE KARĀHA-ZEITEN

Die Zeiten, in denen es makrūh tahrīman, also harām ist, Gebete zu verrichten, sind drei. Diese drei Zeiten werden „Karāha-Zeiten“ genannt. Die in diesen drei Zeiten begonnenen Fard-Gebete sind nicht gültig. Auch wenn Nāfila-Gebete gültig sind, sind sie makrūh tahrīman. Diese Nāfila-Gebete soll man abbrechen und zu einer anderen Zeit nachholen. Die erste dieser drei Zeiten ist die Zeitspanne, die mit dem Sonnenaufgang beginnt und 40 Minuten dauert. Das Ende dieser Zeit nennt man „Duhā-Zeit“ und „Ischrāq-Zeit“. Die zweite der Karāha-Zeiten ist die Zeit der Mittagshöhe der Sonne. 40 Minuten vor dem Sonnenuntergang beginnt die dritte Karāha-Zeit. Die Sonnenaufgangszeit beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem der obere Sonnenrand an der Linie des gültigen Horizonts gesehen wird, und dauert solange an, bis die Sonne derart aufgestiegen ist, dass man sie nicht mehr anschauen kann, d.h. bis zur Duhā-Zeit, also bis zum Ende der Karāha-Zeit. Die Zeit der Mittagshöhe der Sonne ist die Zeitspanne, in der sie sich in dem der Scharʿī-Mittagshöhe zugehörigen Kreis am Himmel befindet, d.h. die Zeitspanne zwischen den zwei Zeitpunkten, die sich eine Zeit der Vorsicht vor und eine nach der Zeit der wahren Mittagshöhe befinden. Diese Zeit beginnt für Istanbul 20 Minuten vor der Zeit des Zuhr-Gebets. Der Untergang der Sonne ist die Zeitspanne zwischen der Zeit, zu der die Sonne beginnt, gelblich zu werden, sodass man sie anschauen kann, und der Zeit, zu der die Sonne untergegangen ist. Diese Zeitspanne beträgt 37 bis 42 Minuten für Orte wie Istanbul, die einen Breitengrad von 41° haben. Durchschnittlich sind es 40 Minuten. Der Beginn dieser Zeitspanne wird „Isfirār asch-Schams“ bzw. „Karāha-Zeit“ genannt. Während des Sonnenuntergangs darf man nur das ʿAsr-Gebet des Tages verrichten. Es ist jedoch makrūh tahrīman, das ʿAsr-Gebet bis zur Isfirār-Zeit zu verspäten. Nach Imām Abū Yūsuf ist es nur freitags nicht makrūh, Nāfila-Gebete in der Zeit der Mittagshöhe zu verrichten. Dieser Standpunkt ist ein schwacher. Auch das Verrichten des Totengebets für einen Leichnam, der vorher vorbereitet wurde, das Verrichten der Rezitationsniederwerfung (Sadschdat at-Tilāwa) und der Vergesslichkeitsniederwerfung (Sadschdat as-Sahw) ist nicht dschāiz. Es ist gültig, das Totengebet eines Leichnams, der zu diesen Zeiten vorbereitet wurde, zu diesen Zeiten zu verrichten.

Es gibt zwei Zeiten, in denen es makrūh ist, Nāfila-Gebete zu verrichten. Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenaufgang wird außer dem Sunna-Gebet des Fadschr-Gebets kein anderes Nāfila-Gebet verrichtet. Es ist makrūh tahrīman, nach dem Verrichten des ʿAsr-Gebets und vor dem Verrichten des Maghrib-Gebets Nāfila-Gebete zu verrichten. Es ist makrūh, ein Nāfila-Gebet, also ein Sunna-Gebet zu beginnen, wenn freitags beim Freitagsgebet der Imam auf die Kanzel (Mimbar) steigt oder wenn der Muezzin die Iqāma ausruft, und bei allen anderen Gebeten, wenn der Imam gerade das Gebet verrichtet. Das Sunna-Gebet des Fadschr-Gebets zu beginnen, ist jedoch nicht makrūh. Dieses Sunna-Gebet soll man von der Gebetsreihe entfernt oder hinter einer Säule verrichten. Es wurde gesagt, dass man das Sunna-Gebet, das man begonnen hat, bevor der Imam auf die Kanzel gestiegen ist, beenden soll.

Wenn die Sonne beginnt, aufzugehen, während man das Fadschr-Gebet verrichtet, ist das Fadschr-Gebet nicht gültig. Geht die Sonne unter, während man das ʿAsr-Gebet verrichtet, ist das ʿAsr-Gebet gültig. Wenn man das Maghrib-Gebet verrichtet hat und danach mit dem Flugzeug in Richtung Westen fliegt und die Sonne sieht, muss man das Maghrib-Gebet nochmal verrichten, wenn die Sonne untergegangen ist. Wenn man sein Fasten bereits gebrochen hat, also Iftar gemacht hat, muss man den Tag nach dem Ramadanfest nachholen.

In der hanafitischen Rechtsschule sollen die Pilger nur auf den Ebenen Arafat und Muzdalifa zwei Gebete zusammenlegend verrichten. In der hanbalitischen Rechtsschule ist es dschāiz, zwei Gebete zusammenzulegen, wenn man auf Reisen ist oder wenn man krank ist, wenn Frauen stillen oder krankheitsbedingte Blutung (Istihāda) haben, bei Entschuldigungen (Udhr), die die Gebetswaschung (Wudū) ungültig machen, wenn man Schwierigkeiten dabei hat, die Gebetswaschung oder die Trockenreinigung (Tayammum) vorzunehmen, und wenn man blind ist oder unterirdisch arbeitet und deshalb unfähig ist, die Gebetszeit wahrzunehmen, und wenn man sich um sein Leben, seinen Besitz oder um seine Ehre fürchten muss und wenn der Erwerb des Lebensunterhalts Schaden nehmen würde. In der hanafitischen Rechtsschule ist es nicht dschāiz, dass diejenigen, die ihre Arbeitsplätze nicht verlassen können, diese Gebete unterlassen, um sie später nachzuholen. Es ist dschāiz, dass jene Personen nur an solchen Tagen der hanbalitischen Rechtsschule folgen und das Zuhr-Gebet mit dem ʿAsr-Gebet zusammenlegend zur Zeit des Zuhr-Gebets oder zur Zeit des ʿAsr-Gebets verrichten und das Maghrib-Gebet mit dem ʿIschā-Gebet zusammenlegend zur Zeit des Maghrib-Gebets oder zur Zeit des ʿIschā-Gebets verrichten. Beim Zusammenlegen von Gebeten ist es nötig, dass man das Zuhr-Gebet vor dem ʿAsr-Gebet und das Maghrib-Gebet vor dem ʿIschā-Gebet verrichtet; dass man bei dem ersteren Gebet die Absicht fasst, dass man die Gebete zusammenlegend verrichten wird; dass man die zusammengelegten Gebete nacheinander verrichtet und dass man die Farāid und Mufsidāt der Gebetswaschung, der Ganzkörperwaschung (Ghusl) und des Gebets in der hanbalitischen Rechtsschule erlernt und diese befolgt.

 

 

Anhang:

Tabelle der Zeiten der Vorsicht

Tabelle zur Zeitgleichung und Deklination 1986 Greenwicher Zeit

Höhen der Zeiten des Asr-Gebets je nach Breitengrad